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Viele Unternehmer/innen stehen beim Unternehmensverkauf vor derselben Grundsatzfrage: Soll an einen strategischen Käufer oder an einen Finanzinvestor verkauft werden? Beide Käufergruppen sind sehr unterschiedlich, was sich direkt auf Unternehmensbewertung, Transaktionsstruktur und die Zukunft des Unternehmens auswirkt.

Vor dem Hintergrund unserer Praxiserfahrung legen wir in diesem Artikel dar, was die Unterschiede zwischen beiden Käufergruppen sind, wann eher ein Stratege oder ein Finanzinvestor infrage kommt und welche Implikationen dies auf den M&A-Prozess haben kann. Wir beziehen uns bei den Finanzinvestoren dabei im Wesentlichen auf klassische Private-Equity-Investoren (nicht auf Venture-Capital-Gesellschaften) und Unternehmen, die keine Restrukturierungs- oder Insolvenzfälle sind.

Die Käufergruppen im Überblick

Strategische Käufer erwerben Unternehmen, um ihr bestehendes Geschäft zu stärken bzw. zu ergänzen. Die genaue Motivation hängt von der Situation ab. Es können der Ausbau von Marktanteilen, das Erschließen neuer Kundengruppen, das Erweitern des Leistungsportfolios, die Hinzunahme relevanter Technologien oder spezialisierter Mitarbeiter sowie andere Ziele im Vordergrund stehen.

Finanzinvestoren investieren ausschließlich mit dem Ziel, eine Rendite zu erreichen. Sie steigern den Unternehmenswert z. B. durch organisches Wachstum, Professionalisierung sowie durch Zukäufe („Buy-and-Build“) und verkaufen nach einigen Jahren das Unternehmen wieder.

Im europäischen M&A-Markt spielen strategische Käufer im Vergleich zu Finanzinvestoren eine deutlich wichtigere Rolle. In den Jahren 2021 bis 2025 fanden im Mid-Market (10-200 Mio. EUR Enterprise Value) im Durchschnitt 71% aller Transaktionen mit einem Strategen statt, 29% mit Private-Equity (PE)-Investoren.

Anzahl von Transaktionen mit Finanzinvestoren und Strategen in Europa

Abbildung 1: Anzahl von Transaktionen mit Finanzinvestoren und Strategen in Europa 2021 bis 2025, Unternehmensbewertungen von 10 bis 200 Mio. Euro. (Quelle: Pitchbook 01/2026)

Übrigens: Industrieholdings sind eine Art Mischform beider Investorengruppen. Solche, häufig börsennotierten Holdings, investieren aus der eigenen Bilanz (nicht aus einem Fonds) und wollen typischerweise die Beteiligung auf unbestimmte Zeit halten. Häufig besteht eine Spezialisierung auf bestimmte Segmente. Beispiele für solche Holdings sind Lagercrantz (SWE/Technologie), Constellation (CAN/Software) und Indus (GER/Maschinenbau/Technologie).

Auswirkungen auf den M&A-Prozess

Beide Käufergruppen gehen M&A-Prozesse jeweils anders an und unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Informationsbedürfnisse und der Projektorganisation.

Strategie und Equity Story

Strategen wollen vor allem verstehen, inwieweit das mögliche Target zu ihrer Geschäftstätigkeit passt, Synergien realisiert werden und ob eine Integration gut gelingen kann. In der Vorbereitung ist es wichtig, die Argumente für eine Übernahme klar herauszuarbeiten. Wenn potenzielle strategische Käufer sich deutlich unterscheiden, macht es Sinn, jeweils angepasste Argumentationen zu erstellen.

Für Investoren steht die Frage im Vordergrund, ob das Target erfolgreich wachsen und evtl. die Profitabilität steigern kann. Sie versetzen sich in einen möglichen Käufer in der Zukunft und überlegen, ob alle Voraussetzungen gegeben sind, dass dieser das Unternehmen dann zu einem wesentlich höheren Preis übernehmen wird.

Vertraulichkeit und Informationsschutz

Bei der Diskussion mit potenziellen oder tatsächlichen Wettbewerbern spielt der Informationsschutz eine wichtige Rolle. Der Datenzugang sollte gestuft erfolgen, sensible Daten müssen geschwärzt werden und eine passende Organisation, z. B. Arbeit mit einem Clean-Team, muss mit dem möglichen Käufer vereinbart werden. Für die Diskussion mit Investoren ist dieser Punkt meist unkritisch, denn ein möglicher Missbrauch von Informationen droht typischerweise nicht. Die Investoren sind gewohnt, Unterlagen vertraulich zu behandeln und nach Beendigung von Gesprächen zu vernichten. Nicht verhindern wird man allerdings ein gewisses Maß an „Gerede“ im Investorenmarkt. Die PE-Community kennt sich und tauscht sich regelmäßig über Opportunitäten aus.

Timing

Es ist wichtig zu beachten, dass Strategen oft (viel) mehr Zeit für eine interne Abstimmung und die entsprechende Entscheidung benötigen. Dies hat Auswirkungen auf das richtige Timing. Es kann Sinn machen, die Ansprache der strategischen Käufer schon einige Wochen vor der Ansprache der Finanzinvestoren zu starten. Ein Finanzinvestor wird typischerweise schneller im Prozess voranschreiten und kann flexibler entscheiden.

Due Diligence

Bei Strategen wird die Due Diligence (oder Teile davon) häufig durch Inhouse-Teams durchgeführt. Aus organisatorischen Gründen werden teilweise sehr viele Verantwortliche eingebunden. Dies kann den Koordinationsaufwand massiv erhöhen und die Zeit der DD verlängern. PE-Investoren binden typischerweise spezialisierte Due-Diligence-Berater für die Themen Finanzen & Steuern, Commercial und Recht ein, daher kann der Prozess relativ zügig ablaufen. Voraussetzung ist ein gut vorbereiteter Datenraum und ein stringent geführter Q&A-Prozess.

Die Schwerpunkte der DD sind bei den Käufergruppen unterschiedlich. Strategen haben meist ein sehr gutes Markt- und Technologieverständnis und fokussieren sich stark auf die spätere Rolle des Targets im eigenen Unternehmen. Finanzinvestoren gehen dagegen häufig mit weniger Marktkenntnis in eine Prüfung und müssen sich detailliert einarbeiten. Im Vordergrund der Prüfung stehen Wachstumstreiber, Skalierbarkeit, Cash-Konversion, Resilienz und Buy-and-Build-Optionen. Je nach Geschäftsmodell werden zudem bestimmte KPIs analysiert sowie Marktgröße, Kundenkonzentration, Preissetzungsmacht, Sales-Zyklen usw. genau durchdacht.

Finanzierung des Unternehmenskaufs

Die Finanzierung ist bei einem Verkauf an Strategen typischerweise kein wichtiges Thema im Prozess, sie nutzen Bilanzmittel und Konzernfinanzierung. PE-Unternehmen setzen fast immer Fremdkapital ein, um die mögliche Eigenkapitalrendite zu erhöhen. Zur Finanzierung werden häufig spezialisierte Berater (Debt Advisor) eingebunden, die Finanzierungszusagen von Banken und sog. Debt-Fonds einsammeln. Für den Verkäufer entsteht hier zusätzlicher Aufwand, denn der potenzielle Finanzierer hat häufig eigenen Informationsbedarf. Zudem besteht ein Risiko, dass eine Finanzierung nicht zustande kommt und daran die Transaktion scheitert.

Rolle des Managements nach dem Unternehmensverkauf

Für einen Finanzinvestor spielen das Management und der genaue Hintergrund der Transaktion eine wichtige Rolle: Ist das Kernteam motiviert an Bord zu bleiben, das Geschäft weiterzuentwickeln und in einigen Jahren an den nächsten Käufer zu veräußern? Ausnahmen sind Nachfolgesituationen, in denen ohnehin ein neues Management gesucht wird. Bei Strategen kommt es auf die spezielle Situation an: Bei Know-how-intensiven Geschäftsmodellen oder Technologieunternehmen soll das Management an das Unternehmen gebunden und für eine Zusammenarbeit incentiviert werden. Ein Stratege hat aber typischerweise eigene personelle Ressourcen, eigenes Know-how, Marktverständnis usw. Der Käufer wird daher eher in der Lage sein, das Management über Zeit zu ersetzen. Insgesamt spielt das Management eine weniger kritische Rolle im Prozess.

Unternehmensbewertung und Deal-Konditionen

Ob Strategen oder Finanzinvestoren aus Sicht der Verkäufer eine attraktivere Bewertung zahlen, lässt sich nicht verallgemeinern und hängt sehr stark von der Situation ab. Zudem unterscheiden sich die möglichen Transaktionen in ihrer Struktur.

Strategische Käufer schauen zuerst auf den Stand-alone-Wert eines Targets (zu dem Vorgehen, siehe z. B. unser Beitrag zu Methoden der Unternehmensbewertung). Wenn aber mit dem Unternehmen wichtige Ziele erreicht werden oder signifikante Synergien zu erwarten sind, kann sich dies in der Bewertung ausdrücken und ist Ergebnis der Verhandlungen. Die Bewertung kann dann deutlich über dem Preis liegen, den Finanzinvestoren darstellen können.

Finanzinvestoren können keine Synergien u. ä. einkalkulieren und müssen ihre Bewertung aus den vorliegenden („harten“) Zahlen ableiten. Wichtig ist der Cashflow des Unternehmens, ein möglicher Fremdkapitalhebel und eine realistische Exit-Bewertung. Die Bewertung kann aber mittelfristig durch Rückbeteiligungen und Earn-outs signifikant höher werden.

Eine Rückbeteiligung ist bei Strategen typischerweise nicht vorgesehen, da meist das übernommene Unternehmen vollständig integriert werden soll. Ein Finanzinvestor wird fast immer eine signifikante Rückbeteiligung des Managements einfordern. Zum einen, um das Team zu motivieren gemeinsam den Unternehmenswert zu steigern, zum anderen um den Kapitalbedarf der Übernahme zu reduzieren. Ein Earn-out ist bei beiden Käufergruppen möglich und ist letztlich Verhandlungssache. Viel hängt vom Businessplan und von den Grundlagen der Bewertungen ab. Je stärker Wachstumspotenziale eingepreist aber noch nicht klar bewiesen sind, desto eher werden Käufer versuchen einen Teil der Bewertungsrisiken über einen Earn-out zu reduzieren.

Fazit und Zusammenfassung

Es gibt nicht den einzig richtigen Käufertyp, sondern die Situation und die Ziele des Verkäufers geben den Ausschlag. Ein professionell vorbereiteter Prozess sowie das Erzeugen von Wettbewerb eröffnen verschiedene Optionen und erhöhen die Bewertung, die Wahrscheinlichkeit eines Abschlusses und den Fit zum Käufer.

Strategische Käufer sind oft passend, wenn starke Synergien realisierbar sind, z. B. in Produktion, Vertrieb oder bei der Internationalisierung bzw. wenn das Target eine wichtige Lücke im Leistungsangebot des Übernehmers schließt. Wenn ein Voll-Exit ohne Rückbeteiligung und ein schnellerer Rückzug aus dem operativen Geschäft gewünscht sind, macht ein Stratege am meisten Sinn.

Finanzinvestoren sind oft passend, wenn das Management sein Vermögen diversifizieren will, aber weiter unternehmerisch gestalten und am Wertsteigerungspotenzial teilhaben möchte. Wenn ein operativer Partner eine wichtige Rolle spielen kann, z. B. bei Akquisitionen, dem Team-Aufbau und der weiteren Professionalisierung oder wenn Vertraulichkeit zentral ist (kein Wettbewerber im Datenraum), dann spricht vieles für einen Finanzinvestor.

Unserer Erfahrung nach sind Managementteams am Beginn eines M&A-Prozesses häufig noch nicht in der Lage, eine Entscheidung bezüglich der Käufergruppe zu treffen. Die Aufgabe einer M&A-Beratung ist dann, den Prozess breiter zu gestalten und verschiedene Optionen für den Kunden aufzuzeigen. In der Diskussion mit den Interessenten kristallisiert sich für die Gesellschafter besser heraus, welcher Weg gewünscht ist und mit wem man sich vorstellen kann, zusammenzuarbeiten.

Aspekt Strategischer Käufer Finanzinvestor
Zielsetzung Industrielle Logik, Synergien, sinnvolle Integration Wertsteigerung und Weiterverkauf mit hoher Rendite
Bewertungslogik „Synergie-Aufschlag“ auf Stand-alone-Wert möglich Stand-alone-Wert, finanzierbar mit Fremdkapital
Deal-Struktur Häufig 100 %-Übernahme, Earn-outs möglich Mehrheit/Minderheit (je nach Investor), Rückbeteiligung des Managements üblich
Finanzierung Aus Cashflow bzw. Bilanz der Gruppe Mischung aus Eigen- und Fremdkapital (Leverage)
Due Diligence Fokus auf strategischen Fit und Risiken Sehr detailliert, stark KPI- und Cashflow-getrieben
Geschwindigkeit Verzögerung durch interne Gremien/ Kartellprüfung möglich Entscheidungswege meist schneller, Bankprozesse können Zeit kosten
Transaktionssicherheit Hoch, wenn interne Freigaben erfolgt sind Abhängig von Investment-Komitee und Fremdfinanzierung
Kartellrecht Relevantes Thema bei Wettbewerbern Seltener kritisch
Integration Häufig schnelle Integration, mögliches Rebranding Stand-alone-Fortführung, späterer Exit
Rolle des Managements Situationsbezogen, weniger kritische Rolle Schlüsselrolle, meist signifikante Rückbeteiligung

Abbildung 2: Vergleich der Käufergruppen im Überblick

Über Quantum Partners

Quantum Partners ist eine Corporate Finance und M&A-Beratung für die Bereiche Software & Business Services, Digital Media & Commerce, Industrial Technology sowie Cleantech & Sustainability. Aus seinem Büro in München betreut Quantum Partners Kunden weltweit sowohl beim Verkauf von Unternehmen, dem Zukauf und bei Finanzierungen.

Rufen Sie uns für einen vertraulichen Gedankenaustausch an. Gerne besprechen wir mit Ihnen unser Vorgehen, unsere Branchen-Expertise und Referenzen für unsere Arbeit.

Dr. Andreas Brinkrolf
Geschäftsführer
brinkrolf@quantum-partners.de
+49 89 414144 355

FAQ: Finanzinvestoren vs. Strategen

Was sind die Unterschiede zwischen Finanzinvestoren und strategischen Käufern?
Finanzinvestoren wollen mit ihrer Investition eine Rendite erzielen. Sie versuchen das Management bei der Steigerung des Unternehmenswertes zu unterstützen und veräußern nach einigen Jahren das Unternehmen wieder. Strategische Käufer erwerben Unternehmen, um eigene Aktivitäten zu stärken, z.B. um Marktanteile zu gewinnen, Zugriff auf neue Technologien zu erlangen oder das Portfolio zu erweitern.

Zahlen Finanzinvestoren oder Strategen eine bessere Bewertung beim Unternehmensverkauf?
Finanzinvestoren zahlen nur den Preis, den die Finanzzahlen tatsächlich rechtfertigen. Durch den Einsatz von Fremdkapital (sog. Leverage-Effekt) wird versucht, die Eigenkapitalrendite zu verbessern. Bei einer Rückbeteiligung – und einer Wertsteigerung des Unternehmens – kann durch den späteren Verkauf der restlichen Anteile der Gesamterlös für den Verkäufer deutlich erhöht werden. Ein strategischer Käufer kann evtl. eine sog. strategische Prämie einpreisen. Wenn Synergien oder andere geschäftliche Potenziale erwartet werden, können diese in die Bewertung einfließen.

Wie unterscheidet sich der Due-Diligence-Prozess bei Strategen und Finanzinvestoren?
Strategische Käufer legen ihren Fokus oft auf mögliche operative Synergien, Technologie und Kundenstamm. Finanzinvestoren konzentrieren sich hingegen stark auf Cashflows, Finanzkennzahlen, das Management-Team und die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells. Der Prozess ist bei Finanzinvestoren oft standardisierter und schneller.

Bleibt das Management nach dem Verkauf an einen Finanzinvestor an Bord?
Ja, in den meisten Fällen ist dies erwünscht oder wird bei einer Investition sogar vorausgesetzt. Finanzinvestoren kaufen nicht nur das Unternehmen, sondern setzen auf das bestehende Management, um das Wachstum voranzutreiben. Oft wird eine Rückbeteiligung (Re-Investment) angeboten, damit das Management am zukünftigen Exit-Erlös partizipiert. Ein Stratege hingegen hat meist eigene Management-Kapazitäten und kann die Führungskräfte eines übernommenen Unternehmens leichter durch eigenes Personal ersetzen oder ergänzen.

Was ist eine „Buy-and-Build-Strategie“ und ein „Add-on“?
Die Buy-and-Build-Strategie ist ein klassischer Ansatz von Private Equity-Investoren, um das Wachstum zu beschleunigen. Dabei erwirbt der Investor zunächst ein starkes Kernunternehmen als sogenannte „Plattform“. Anschließend werden gezielt weitere Wettbewerber oder ergänzende Firmen hinzugekauft – diese nennt man „Add-ons“.

Ziel dieser Strategie ist es, die Add-ons in die Plattform zu integrieren, um Synergien zu heben und eine schlagkräftige Unternehmensgruppe zu formen. Oft lässt sich die größere Gruppe später zu einer höheren Bewertung verkaufen als die Summe der Bewertung der Einzelunternehmen (sogenannte Multiple-Arbitrage).