Der IT-Service-Markt bleibt einer der aktivsten M&A-Sektoren in Europa: Die anhaltende Konsolidierung kann einen Unternehmensverkauf für Unternehmen in fast jeder Größenordnung attraktiv machen. Erfolgreiche Unternehmen können Bewertungen mit deutlich zweistelligen EBITDA-Multiples erzielen.
Digitale Transformation, Cloud-Migration, Cybersecurity oder der Betrieb kritischer Software sind für Unternehmen unverzichtbar. In Kombination mit anhaltendem Fachkräftemangel schlägt sich dies in starkem Wachstum von IT-Service Dienstleistungen nieder und ermöglicht gut positionierten Anbietern gleichzeitig das Erreichen hoher Margen. Entsprechend sind IT-Service Unternehmen in den letzten Jahren in den Fokus sowohl von strategischen Käufern als auch Finanzinvestoren gerückt. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf das aktuelle Transaktionsumfeld, analysieren, welche Deal-Muster den Sektor zurzeit prägen und wie Unternehmen bewertet werden.
Die Konsolidierung geht weiter und führt zu zahlreichen Transaktionen
Das Transaktionsniveau im IT-Service Bereich bleibt hoch, wenn auch leicht unter den Rekordjahren 2021 und 2022. In dieser Zeit führte das historisch niedrige Zinsniveau zu hohen Akquisitionsbudgets bei Strategen und hohem Anlagedruck bei Finanzinvestoren und so über viele Branchen hinweg zu Transaktions-Höchstwerten. Die stabile Anzahl von Unternehmensverkäufen auf hohem Niveau zeigt die anhaltende Attraktivität der Branche.
Abbildung 1: Anzahl der IT-Services Transaktionen in der DACH Region (Quelle: Pitchbook)
Während sich die Zahl der jährlich verkauften Unternehmen sowohl im DACH-Raum als auch in Europa über die letzten 10 Jahre knapp verdoppelt hat, ist eine deutliche Veränderung der Käuferstruktur zu beobachten. Finanzinvestoren nehmen den Bereich immer stärker in Visier und machen mittlerweile knapp die Hälfte der Transaktionen aus, ausgehend von noch etwa 20% im Jahr 2015.
Wiederkehrende Umsätze, hohe Margen und stabile Marktaussichten machen IT-Service-Unternehmen zum idealen Kaufkandidaten für Private-Equity Investoren und Family Offices. Gleichzeitig erlaubt die Fragmentierung im Markt die Umsetzung von Buy-and-Build Konzepten. Finanzinvestoren übernehmen bei diesen zunächst eine Plattform und ergänzen diese über Zukäufe. Größere Gruppen erzielen beim Exit in der Regel höhere Bewertungen als kleinere Einzelunternehmen. Hierdurch entsteht ein Renditehebel für den Finanzinvestor aber auch für die reinvestierenden Verkäufer. Dieser Trend zur Konsolidierung lässt sich direkt aus den Daten ablesen: Machten Zukäufe durch von Finanzinvestoren geführte Unternehmen in 2015 noch weniger als 15% aus, so entfällt mittlerweile ein gutes Drittel der Transaktionen hierauf.
Abbildung 2: Entwicklung der europäischen IT-Services Transaktionen kategorisiert nach Anzahl der Mitarbeiter der verkauften Unternehmen (Quelle: Pitchbook)
Dies spiegelt sich auch in der durchschnittlichen Unternehmensgröße verkaufter Unternehmen wider. Die hohe Zahl an Buy-and-Build Plattformen im Markt führt zu einer steigenden Nachfrage nach möglichen kleineren Übernahmekandidaten. In der Folge machen Unternehmen unter 60 Mitarbeitern mittlerweile den größten Anteil der Transaktionen aus.
Hohe Börsenbewertungen zeigen die anhaltende Attraktivität der Branche im KI-Zeitalter
Unternehmensverkäufe werden in der Regel kommuniziert, aber die gezahlten Kaufpreise meist nicht publik gemacht. Der Unternehmenswert börsennotierter Unternehmen wird kontinuierlich neu bestimmt, daher sind Börsenkurse ein guter Anhaltspunkt für das Bewertungsniveau einer Branche.
Im Quantum Partners IT-Service Index betrachten wir das Verhältnis von EBITDA zur Unternehmensbewertung (EBITDA-Multiple) führender börsennotierter IT-Service-Konzerne als Indikator für das Bewertungsniveau im Sektor. Der Index wird ungewichtet berechnet, um Verzerrungen durch einzelne Titel zu verhindern.
Abbildung 3: Quantum Partners Indizes zu EV/EBITDA (TTM) ausgewählter börsennotierter IT-Service-Unternehmen, gleichgewichtet (Quelle: Pitchbook)
Politische und makroökonomische Effekte schlagen sich schneller und deutlicher in Börsenwerten nieder und können zu stärkeren Schwankungen führen. Entsprechend volatil hat sich das Bewertungsniveau im Betrachtungszeitraum entwickelt. Im langfristigen Trend über die letzten zehn Jahre zeigt der globale Index einen leichten Aufwärtstrend der Bewertungen und liegt aktuell bei ca. 14x EV/EBITDA. Der europäische Index ist im Vergleich noch volatiler, lag zuletzt unter dem globalen Durchschnitt, holt aktuell aber auf. Sowohl im europäischen als auch globalen Index fällt der deutliche Rückgang in 2022 auf. Dieser ist im Wesentlichen auf das Abkühlen des Finanzmarkts durch den russischen Angriff auf die Ukraine und den Anstieg der Zinsen zurückzuführen.
Spätestens mit der Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 rückte aber auch das Potential von KI in den Fokus der Anleger. Initiale Befürchtungen, dass KI klassische IT-Service-Dienstleistungen ersetzen oder Margen reduzieren würden, haben sich seitdem nicht bewahrheitet. Vielmehr schafft KI für zahlreiche Unternehmen weitere Wachstumsoptionen, z.B. durch Implementierungsprojekte und KI-Beratung, was sich im angestiegenen Bewertungsniveau niederschlägt.
Attraktive IT-Service- Unternehmen können deutlich zweistellige EBITDA-Multiples erzielen
Für kleine und mittelständische Unternehmen liefern diese Werte einen ersten Anhaltspunkt. Allerdings sind die Bewertungen aufgrund der deutlichen Größenunterschiede zu börsennotierten Konzernen nicht direkt übertragbar. Außerhalb der Börsen sind Unternehmensbewertungen deutlich intransparenter. Bewertungsanlässe sind auf Unternehmensverkäufe beschränkt und bei den meisten Transaktionen werden die Bewertungen nicht veröffentlicht. In unserer Betrachtung der durchschnittlichen Bewertungen von IT-Service Unternehmen berücksichtigen wir daher alle europäischen Transaktionen mit veröffentlichten Kaufpreisen in dem Segment, um eine ausreichende Datenmenge für statistisch relevante Rückschlüsse zu erhalten.
Abbildung 4: Entwicklung von EBITDA-multiples in europäischen IT-Services Transaktionen (Quelle: Pitchbook)
Über die letzten zehn Jahre zeigt sich hier ein durchschnittlicher EBITDA-Multiple von 8,9x. Nach Rekordwerten im zweistelligen Bereich in den Jahren 2019-2021 bewegen sich die Unternehmensbewertungen aktuell unter dem langjährigen Mittel. Dies liegt vor allem an der erwähnten anhaltenden Konsolidierung der Branche: Kleine Unternehmen mit weniger als 60 Mitarbeitern erzielten in den letzten Jahren in Europa statistisch fast 30% niedrigere EBITDA-Multiples als größere Unternehmen. Da diese Unternehmen mittlerweile den Großteil der Transaktionen ausmachen, reduziert dies entsprechend den Durchschnitt und unterschlägt, dass attraktive Unternehmen mit hohem Wachstum, starker Positionierung und hohen Margen weiterhin Bewertungen im deutlich zweistelligen Bereich erzielen. So liegen aktuell die Top 25% der Unternehmensbewertungen bei einem EBITDA-Multiple von ca. 15x.
Finanzinvestoren zahlen statistisch gesehen höhere Kaufpreise als Strategen
Abbildung 5: 10-Jahres-Durchschnitt der EV/EBITDA-Multiples in europäischen IT-Services Transaktionen unterteilt nach Käufertyp und Unternehmensgröße (Quelle: Pitchbook)
Haupttreiber für solche Bewertungen sind neben der Unternehmensperformance und der Größe auch der Käufertyp. In unserer Betrachtung über die letzten zehn Jahre können wir zeigen, dass Finanzinvestoren durchschnittlich 16% höhere Kaufpreise gezahlt haben als strategische Käufer.
Dies ist eigentlich kontra-intuitiv, da strategische Käufer in vielen Branchen aufgrund des Einpreisens interner Synergiepotentiale oft bessere Preise zahlen können. Die hohe Attraktivität der Branche für Finanzinvestoren sowie die zahlreichen Buy-and-Build Plattformen, deren Erfolg von Zukäufen abhängt, führen jedoch zu einem hohem Anlagedruck und entsprechend intensivem Käuferwettbewerb. Finanzinvestoren reagieren hierauf mit aggressiven Bewertungen während für Strategen ab einem gewissen Bewertungsniveau organisches Wachstum oft attraktiver ist.
Ein breit geführter M&A-Prozess kann die Unternehmensbewertung erheblich steigern
In der Praxis resultiert dies häufig in signifikanten Bewertungsunterschieden. Grundsätzlich empfehlen wir unseren Mandanten eine möglichst breite Ansprache von strategischen Käufern, Finanzinvestoren sowie Buy-and-Build-Plattformen, um möglichst viele Angebote zu erhalten.
Während die meisten Angebote marktübliche Reinvestment-Quoten der Verkäufer zwischen 10 % und 30 % vorsehen, gehen die Bewertungsvorstellungen oft deutlich auseinander. So kann das beste Angebot durchaus mehr als doppelt so hoch sein wie das niedrigste. Ausschlaggebend hierfür sind zum einen Unterschiede im Branchenverständnis, in den erwarteten Synergien sowie in den zugrunde gelegten Wachstumsannahmen. Ein wesentlicher zusätzlicher Treiber ist jedoch der durch die breite Ansprache bewusst erzeugte Wettbewerb. Dieser ermöglicht es, die Angebote der zahlungsstärksten Bieter weiter zu optimieren und so die Bewertung deutlich zu erhöhen.
Dies lässt sich selbstverständlich nicht immer uneingeschränkt übertragen. Jedes Unternehmen ist individuell und ein attraktiver Kaufpreis auch nicht der einzige Parameter eines erfolgreichen Deals. Grundsätzlich bietet das aktuelle Marktumfeld mit seiner hohen Nachfrage jedoch sehr gute Rahmenbedingungen für Unternehmensverkäufe. Auf Basis professioneller Verkaufsunterlagen – insbesondere eines integrierten Finanzplans, eines aussagekräftigen Information Memorandums und eines gut strukturierten virtuellen Datenraums – schafft ein aktiv gesteuerter M&A-Prozess für Verkäufer nicht nur erhebliches Potenzial zur Bewertungsoptimierung, sondern auch zusätzlichen Gestaltungsspielraum bei den Vertragsverhandlungen.
FAQ: M&A im IT-Service Sektor
Wie ist die aktuelle M&A-Lage im IT-Service-Markt in Europa und der DACH-Region?
Der IT-Service-Markt zählt weiterhin zu den aktivsten M&A-Sektoren in Europa. Zwar liegt das Transaktionsniveau leicht unter den Rekordjahren 2021/2022, bleibt aber insgesamt hoch – getrieben durch Digitalisierung, Cloud-Migration, Cybersecurity und den Betrieb kritischer Software. Für IT-Service-Unternehmen kann das aktuelle Umfeld daher weiterhin attraktive Bedingungen für einen Unternehmensverkauf bieten.
Warum kaufen Private-Equity-Investoren und Family Offices so viele IT-Service-Unternehmen?
IT-Service-Unternehmen sind für Finanzinvestoren besonders interessant, weil sie häufig wiederkehrende Umsätze, attraktive Margen und stabile Wachstumsaussichten kombinieren. Zusätzlich ist der Markt stark fragmentiert – ideal für Buy-and-Build-Strategien, bei denen eine Plattform durch Zukäufe gezielt vergrößert wird. Größere Gruppen erzielen beim späteren Exit oft höhere Bewertungen, was den Investment-Case zusätzlich stärkt.
Welche Faktoren bestimmen die Bewertung von IT-Service-Unternehmen?
Die Bewertung hängt typischerweise von mehreren Faktoren ab: Umsatz- und EBITDA-Wachstum, Marge, Anteil wiederkehrender Erlöse, Positionierung (z. B. Cloud, Cybersecurity, Managed Services), Kundenstruktur sowie Skalierbarkeit und Größe. Auch der Käufertyp spielt eine Rolle: Finanzinvestoren zahlen im Schnitt häufig höhere Preise als strategische Käufer – insbesondere in wettbewerbsintensiven Prozessen.
Welche EBITDA-Multiples sind bei IT-Service-Unternehmen realistisch?
Als Orientierung zeigen Transaktionen in Europa im langfristigen Durchschnitt ein EBITDA-Multiple im hohen einstelligen Bereich. Gleichzeitig können sehr attraktive IT-Service-Unternehmen – etwa mit starkem Wachstum, klarer Spezialisierung, hoher Profitabilität und entsprechender Größe – weiterhin deutlich zweistellige EBITDA-Multiples erzielen. Entscheidend ist, wie gut das Unternehmen im Käufermarkt positioniert ist und wie stark der Wettbewerb im Prozess ausfällt.
Wie kann ein M&A-Prozess die Unternehmensbewertung eines IT-Service-Anbieters erhöhen?
Ein breit aufgesetzter M&A-Prozess erhöht die Wahrscheinlichkeit, mehrere wettbewerbsfähige Angebote zu erhalten – von Strategen, Private Equity, Family Offices und Buy-and-Build-Plattformen. Der entstehende Bieterwettbewerb kann die Bewertung deutlich steigern und gleichzeitig den Verhandlungsspielraum bei Vertragskonditionen verbessern. Professionelle Unterlagen wie integrierter Finanzplan, Information Memorandum und ein strukturierter virtueller Datenraum sind dabei zentrale Hebel für einen erfolgreichen Unternehmensverkauf.
