Quantum Partners beim Bankengipfel 2020: Thesen zum deutschen Bankenmarkt – Implikationen für Fintechs und etablierte Player

Anfang September wurde die 25. Auflage des vom Handelsblatt initiierten Bankengipfels 2020 in Frankfurt a. Main ausgerichtet. Quantum Partners war als Branchenexperte ebenfalls vor Ort, um die aktuellen Trends und Entwicklungen im Bankenmarkt in der durch Corona geprägten Zeit mitzuverfolgen und mitzudiskutieren.

Die Auswirkungen der Corona-Krise werden vor Banken nicht halt machen

Zentrales Thema der Konferenz war die Corona-bedingte Krise der Wirtschaft sowie daraus resultierenden Auswirkungen auf den Bankensektor. Einige Zitate von Experten aus der Finanzwirtschaft verdeutlichen die Einschätzung zum Ernst der aktuellen Lage für deutsche Wirtschaftsteilnehmer:

“Jedes 6. Unternehmen in Deutschland wird laut Creditreform zu einem Zombie (durch Rettungsgelder und faktisch ausgesetzten Insolvenzanmeldungen).”, Christian Sewing (CEO der Deutschen Bank)

Ein Ausblick auf die kurz- bis mittelfristige Zukunft erzeugt ein düsteres Bild auf die Wirtschaft in Deutschland, denn laut Felix Hufeld (Präsident der BaFin) haben wir “das Schlimmste ganz sicher noch nicht gesehen”. Zusätzlich prognostiziert er, dass die “20-30 schwächsten Teilnehmer des Bankenmarktes nicht überleben werden”.

Dr. Fritzi Köhler-Geib (Chef-Volkswirtin der KfW) betont “Die Erholung bleibt fragil. Ab dem 4. Quartal flacht diese ab.” Christian Sewing ergänzte zusätzlich, dass “wir auf Dauer an einer Konsolidierung nicht vorbeikommen”.

Diese Schlussfolgerungen wurden bekräftigt durch die Aussage von Alex Weber (UBS Group), nach der “es keine schnelle Heilung der Wirtschaft geben wird. Es wird lange dauern und es wird nur dann passieren, wenn wir die richtigen Maßnahmen ergreifen”.

Geschäftsmodelle: Banken der Zukunft

Ein weiteres Thema des zweitägigen Gipfels war die Frage nach den Geschäftsmodellen der Banken der Zukunft. Brauchen wir in der Zukunft noch Banken mit physischen Filialen, ergänzt durch digitale Plattformen? Oder wird es künftig ausschließlich digitale Banken-Angebote geben, betrieben von “traditionellen” Banken, Fintechs oder BigTechs?

Live-Umfrage des Handelsblattes auf dem Bankengipfel 2020
Live-Umfrage des Handelsblattes auf dem Bankengipfel 2020

Bereits jetzt setzen etablierte Banken vereinzelt auf Kooperationen mit BigTechs, wie die Zusammenarbeit der Sparkassen/Girocard mit Apple Pay zeigt. Auch die ING setzt auf eine Partnerschaftsstrategie in Kooperation mit dem Fintech Scalable Capital. Viele alteingesessene Banken dagegen definieren keine klaren Ansätze für die Digitalisierung sondern berufen sich auf Lippenbekenntnisse anstelle von ausformulierten digitalen Geschäftsmodellen. Es bleibt fraglich, ob diese Strategie zukunftsträchtig sein wird.

Unsere Erkenntnisse und Schlüsse des Bankengipfels 2020

Es ist davon auszugehen, dass für traditionelle Marktteilnehmer die klassischen Geschäftsmodelle aufgrund sinkender Erträge und gleichzeitig steigender Kosten schwieriger werden.

Die Digitalisierung wird nicht stoppen, sondern dramatisch zunehmen.

Gerade Nutzer der jüngeren Generationen verlangen mehr digitale Produkte und Services. BigTech sowie FinTech Unternehmen verstehen diese Bedürfnisse besser und übernehmen dadurch die Kundenschnittstelle im Zahlungsverkehr, wie am Beispiel von PayPal und mehr als 300 Millionen aktiven Kunden ersichtlich wird.

Im Vergleich zu traditionellen Banken locken FinTech Unternehmen Neukunden mithilfe einer ansprechenden und zugleich kundenzentrierten User Experience an. So ermöglicht Penta, Gewinner des Handelsblatt Diamond Star in der Kategorie FinTech, seinen Neukunden die Erstellung eines Geschäftskontos innerhalb von nur 48 Stunden. Herkömmliche Banken können mit dieser Geschwindigkeit schlicht nicht mithalten. 

Ihre Plattformen werden zu Drehscheiben des Kundengeschäfts. Banken stattdessen werden zu “Produzenten” degradiert und übernehmen lediglich eine ausführende Rolle. Neuartige Tools basierend auf Künstlicher Intelligenz liefern automatisiert aufschlussreiche Einblicke in Kundenverhalten und -bedürfnisse. Das klassische Beratungsgeschäft durch Bankangestellte verliert dagegen zunehmend an Bedeutung. Es ist davon auszugehen, dass das Zinsgeschäft im Herbst von einer steigenden Anzahl von Kreditausfällen negativ beeinflusst wird.

Damit Banken mit der rasanten Entwicklung von aufstrebenden FinTechs und BigTechs Schritt halten und sich langfristig behaupten können, ist eine Revolution bisheriger Abläufe und ausgedienter Systeme erforderlich. Die in vielen Banken veraltete Infrastruktur verhindert Kooperationen mit FinTech sowie BigTech Unternehmen, da notwendige API-Schnittstellen nicht vorhanden sind. Anstelle von On-Premise-Lösungen finden Cloud-Anwendungen inzwischen größere Akzeptanz in der sich wandelnden Branche. Von Banken werden europäische Cloud Anbieter präferiert.

Banken müssen erhebliche Investitionen in neue Technologien und digitale Services tätigen und schnell zeitgemäße Lösungen entwickeln.

Darüber hinaus fehlt es Banken an innovativen Mitarbeitern mit Skills in den Bereichen Technologie und Innovation. Banken müssen also nicht nur in Bezug auf die physische Infrastruktur gründlich aufstocken, sondern auch die Außenwahrnehmung durch gezieltes Employer Branding verbessern, um junge Talente langfristig anzuziehen

Welche Konsequenzen bedeuten diese Entwicklungen für den M&A Markt in Deutschland und Europa?

Prognose für Banken

Fusionen auf dem europäischen Bankenmarkt werden unausweichlich sein. Die von Hufeld angesprochenen 20-30 schwächsten Teilnehmer des Bankenmarkts werden ihre Eigenständigkeit verlieren oder ganz vom Markt verschwinden.

Als weitere Maßnahme werden Banken sich auf ihr Kerngeschäft zurückbesinnen und (sich) von strategisch unwichtigen Beteiligungen trennen. Zudem ist zu erwarten, dass Banken vermehrt Joint Ventures mit Technologieanbietern und -beratungen gründen werden, wie das Beispiel von Sopria Steria und der Sparda Banken aus dem vergangenen Jahr verdeutlicht. Dieser Schritt dient nicht zuletzt einer Kompensation der fehlenden unternehmensinternen Kapazitäten im IT-Bereich. Banken werden sich vermehrt an FinTechs beteiligen, um hierdurch ihre Digitalisierung voranzutreiben und / oder ihre Wertschöpfungskette zu verlängern.

Währenddessen werden Finanzinvestoren aus dem Ausland ihre Beteiligungsportfolios an deutschen Banken ausbauen, da diese – im internationalen Vergleich – im günstig zu haben sind. Beispielhaft ist etwa Apollo Global Management, die nach ihrer Beteiligung an der Bremer Kreditbank in 2013 seit 2017 ebenfalls Anteile an der Oldenburgischen Landesbank hält.

Prognose für FinTech Unternehmen

FinTech Unternehmen sind in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen in einer günstigeren Ausgangsposition. Zwar findet eine zunehmende Konsolidierung des Marktes statt, Skaleneffekte und Synergien werden Übernahmeprämien jedoch in die Höhe treiben.

Es ist davon auszugehen, dass weiterhin viel Kapital in FinTechs fließt. Bewertungen könnten aufgrund der beschleunigten digitalen Transformation durch COVID-19 noch weiter steigen. Investoren werden dabei vor allem auf Geschäftsmodelle mit wiederkehrenden Umsätzen (SaaS-Unternehmen) und robustem Cashflow setzen. Große Technologieanbieter werden weiterhin an vertikalen Software-Anbietern interessiert sein.

Aufstrebende Segmente “to be watched”

Im Zuge der fortlaufenden und sich beschleunigenden Digitalisierung des Bankenmarktes entstehen einige Bereiche, denen künftig vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.

Wir behalten auch bei einer Vielzahl an Innovationen und technischen Entwicklungen im Finanzsektor den Überblick. Wenn Sie einen M&A Berater mit einem fundierten Bankenmarktverständnis und technologischer Expertise suchen, stehen wir Ihnen für eine erste Diskussion gerne zur Verfügung. In der europäischen Banken-, FinTech- und VC-Szene sind wir bestens vernetzt.

Sie haben Fragen oder möchten sich zunächst völlig unverbindlich informieren? Dann melden Sie sich bitte telefonisch sowie per E-Mail bei uns.

Über Quantum Partners

Quantum Partners ist ein Corporate-Finance-Berater für die Bereiche Industrial Technology & Automotive, Digital Media & Commerce, Software & Business Services sowie Fintech. Aus seinem Büro in München betreut Quantum Partners Kunden weltweit sowohl beim Verkauf von Unternehmen, dem Zukauf und bei Finanzierungen.

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